02Jun10:3012:30Enthüllung: Stolpersteine Kostheimer Straße 9

Veranstaltungsdetails

Zum Gedenken an die getöteten Kinder im sogenannten „Ausländerkinderpflegeheim“ des durch die NS-Bürokratie beschlagnahmten Jugendheims der katholischen Gemeinde St. Gallus, lädt die AG Gedenkort Kostheimer Straße 9 zur Enthüllung von 24 neuen Stolpersteinen ein.

Die Enthüllung wird am 02. Juni 2026 um 10:30 Uhr in der Kostheimer Straße 9 stattfinden. Danach werden wir uns zu einem Empfang im StadtRAUM Frankfurt (AMKA) treffen.

Am Vorabend, dem 01. Juni 2026, wird um 18:30 Uhr zudem eine Gedenkveranstaltung organisiert.
Veranstaltungsort ist der Gemeindesaal der St. Gallusgemeinde in der Mainzer Landstraße 299.

AG Gedenkort Kostheimer Straße 9 – wer wir sind
In der AG Gedenkort Kostheimer Straße 9 engagieren wir uns für die Aufarbeitung der Geschehnisse in der Kostheimer Straße 9 während des Nazi-Regimes. Unser Ziel ist die Verlegung einer Stolperstein-Gruppe für verstorbene Kinder von hauptsächlich ukrainischen und russischen Zwangsarbeiterinnen, die hier untergebracht waren.
Das ehemalige Jugendheim der Gemeinde St. Gallus wurde 1941 enteignet, das Eck-Grundstück Mainzer Landstraße/ Kostheimer Straße bis zum Monikahaus zum „Fremdarbeiterlager“ der Firma
J.&C.A.Schneider (Schlapperschneider) umfunktioniert. Zunächst wurden hier sogenannte „Westarbeitende“, hauptsächlich aus dem belgischen Flandern, ab Ende November 1942 dann
Säuglinge von „Ostarbeiterinnen“ mit ihren Müttern untergebracht, unter Bedingungen, die auf ein frühes Sterben zielten.
Während schwangere Zwangsarbeiterinnen aus den besetzten östlichen Ländern bis Herbst 1942 in ihre Heimat zurückgeschickt wurden, beendete ein Erlass im November 1942 die Rückführungen.
Konnten Schwangerschaften nicht verhindert, die Frauen nicht zu Abtreibung gepresst werden, sollten sie bis kurz vor Geburt weiterarbeiten, in gesonderten Einrichtungen entbinden und nach der Entbindung möglichst schnell zum Arbeitseinsatz zurückkehren. Das für das Rhein-Main-Gebiet unter Regie des Arbeitsamts zuständige Abtreibungs- und Entbindungslager wurde das Lager Pfaffenwald bei Bad Hersfeld, ergänzt später um das Durchgangslager Kelsterbach. 1-2 Wochen nach Geburt erfolgte der Rücktransport in die vor Ort Firmen zugeordneten separaten Lager – wie das in der Kostheimer Straße 9, euphemistisch als „Ausländerkinderpflegeheim“ bezeichnet. Der Name sollte vom tatsächlichen Nutzen der Heime ablenken. Vernachlässigung, fehlende (Gesundheits-) Fürsorge und miserable hygienische Bedingungen führten zum Tod der meisten Kinder im ersten Lebensjahr.
Anhand des Arolsen-Archivs, dem Institut für Stadtgeschichte und dem Hessischen Staatsarchiv in Marburg konnten wir bislang die Namen von 50 Kindern recherchieren, von denen nachweislich 24 starben. Als Adresse ist in den z.T. nachträglich ausgestellten Sterbeurkunden für 14 der Kinder die Kostheimer Straße 9 genannt. Die weiteren 9 Kinder waren nach der Zerstörung des Lagers Kostheimer Straße 9 durch die Bombardierung am 12. September 1944 auf den Firmengeländen von J.&C.A.Schneider in der Mainzer Landstraße 281-91 und 249-251 untergebracht.
Am 02. Juni 2026 werden auf unsere Inititive hin 24 Stolpersteine für verstorbene Kinder in der Kostheimer Straße 9 verlegt. Begleitend organisieren wir mit der Kirchengemeinde amJuni 2026 eine Gedenkveranstaltung in St. Gallus und gestalten eine Broschüre zur Geschichte der Zwangsarbeiterinnen im Gallus und den vielen Schicksalen junger Frauen aus Osteuropa und Russland und deren Kindern im Nazi-Deutschland. Marcel Brüntrup schildert in dem Buch „Zwischen Arbeitseinsatz und Rassenpolitik“ auf eindrückliche Weise wie ökonomische Interessen vermischt mit Rassenideologie die Unmenschlichkeit des NaziRegimes immer weiter entfachte. Der Tod der Kinder wurde nicht nur in Kauf genommen, sondern war gewollt. Mit den Stolpersteinen wollen wir diesen Kindern stellvertretend für so viele andere gedenken und gleichzeitig Aufklärungsarbeit leisten. Lange schien dies nicht mehr so dringlich wie in der aktuellen Zeit! Dafür hoffen wir auf Ihre Unterstützung und freuen uns auf gemeinsamen Austausch.
Kontakt: Kostheimer9@web.de
Helga Roos, Daniela Hartmann, Jannis Plastargias, Eva Mauch und Sarah Bender

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Zeit

02/06/2026 10:30 – 12:30(GMT+00:00)

Ort

Stolpersteine Kostheimer Straße 9

Kostheimer Straße 9

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